Kleine Teile, große Wirkung
Ohne Hennigsdorf würde es in der Welt nicht laufen – oder besser gesagt: nicht fahren. Denn in jedem fünften Auto weltweit stecken Türschloss-Teile aus der brandenburgischen Industriestadt. Produziert werden sie im Werk der FSM Syscomp GmbH in der August-Conrad-Straße 40, von wo aus sie rund um den Globus geliefert werden.
Ob das Auto verlässlich auf- und zuschließen, sich bequem in den Sitz sinken lassen oder den Sicherheitsgurt anlegen – all das wäre ohne Produkte „Made in Hennigsdorf“ nicht denkbar. „Viele sitzen auch auf unseren Produkten, ohne es zu wissen. Teile für Autositze, Sitzführungsschienen, Höhenverstell- und Sicherheitssysteme – all das gehört zu unserem Portfolio“, sagt Lars Reiche, Geschäftsführer der Konzernmutter FSM Stamping GmbH, nicht ganz ohne Stolz.
200 Millionen Teile pro Jahr für die Großen der Branche
Rund 200 Millionen Stanzteile liefert FSM jährlich in alle Welt – fast eine Million Teile laufen täglich vom Band. Zu den Kunden zählen namhafte Hersteller wie Daimler, BMW, VW, Porsche und Renault. Doch das Portfolio reicht weit über die Automobilbranche hinaus: Am Standort werden auch Sicherheitsbauteile für Bahnschwellen gefertigt. Ein Verankerungssystem, das ICE-Züge selbst bei hohem Tempo sicher auf den Schienen hält, wird bereits nach ganz Europa geliefert.
Wie breit das Unternehmen aufgestellt ist, zeigt sich auch in der „weißen Ware“: Spezialbuchsen aus Hennigsdorf sorgen in Waschmaschinen und Wäschetrocknern dafür, dass die Lager verlässlich arbeiten und die Maschinen dicht bleiben. Und selbst in der Küche geht es nicht ohne FSM – Scharniere für Kühlschranktüren entstehen in großen Stückzahlen auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände, und zwar just in time. Material wird punktgenau per Lkw angeliefert, verarbeitet, verpackt und zeitnah verschickt. Bei der Vielfalt an Produkten und Kunden ist das eine logistische Meisterleistung – FSM-Qualitätsware reist durch halb Europa, bis nach Mexiko und Argentinien.
Rund um die Uhr im Dreischichtsystem
In den modernen Werkhallen stapeln sich tonnenschwere Rollen Stahlblech, aus denen die Teile gestanzt werden – rund um die Uhr im Dreischichtsystem. „Nur wenn die Maschinen laufen, verdienen sie Geld“, sagt Lars Reiche und blickt auf eine fünf Meter hohe Stanze, die mit einem Pressdruck von 630 Tonnen und aufs Hundertstel genau anspruchsvolle Teile aus einer Blechplatte formt.
Der entscheidende Vorteil des Mittelständlers: Flexibilität. „Unser Vorteil ist, dass wir kein schwerfälliger Tanker sind, sondern als mittelständisches Unternehmen schnell und flexibel auf Kundenwünsche reagieren können“, erklärt Reiche. In täglichen Abstimmungen mit den Abteilungsleitern werden die Kennzahlen der vergangenen 24 Stunden auf kurzem Wege besprochen.
Vom Wedding an die Havel: Eine Erfolgsgeschichte seit 1935
Die Wurzeln des Unternehmens reichen bis ins Jahr 1935 zurück, als die Vorgängerfirma als kleine mechanische Werkstatt im Familienbesitz im Berliner Wedding gegründet wurde. 2005 folgte der Umzug mit der 65-köpfigen Stammbelegschaft nach Hennigsdorf. Seither wurde der Standort nahe der Havel Stück für Stück um moderne Produktionsbereiche erweitert.
Heute zählt das Hennigsdorfer Werk 165 Mitarbeitende, zusammen mit dem Nauener Standort gehören 230 Kolleginnen und Kollegen zum Team – darunter zehn Azubis. Ausbildung ist für FSM die wichtigste Quelle der Personalrekrutierung. Deshalb ist das Unternehmen regelmäßig auf Nachwuchsmessen wie der Youlab in Oberhavel präsent und wirbt für Karrieren als Industrie-Elektroniker oder Werkzeug-Mechaniker. Auch Quereinsteiger über den zweiten und dritten Bildungsweg haben eine Chance im Traditionsunternehmen, das über 50 Millionen Euro Jahresumsatz erwirtschaftet.
Standort mit Perspektive – und ein starker Partner der Stadt
Für Hennigsdorf als Top-Standort spricht die perfekte Lage: Die gute Anbindung an Berlin sei ein absolutes Plus, betont ein FSM-Manager, denn die Erreichbarkeit der Arbeitsplätze ist für die Fachkräftegewinnung entscheidend.
Auch die Stadtspitze weiß den Betrieb zu schätzen. Bei einem Hallenrundgang kamen bei Bürgermeister Thomas Günther persönliche Erinnerungen hoch: „Der Geruch des Schmieröls von den Werkzeugmaschinen lässt mich an meine eigene LEW-Ausbildung denken. Für den Herzschlag von Hennigsdorf als Industriestadt ist es wichtig, dass wir produzierende Unternehmen haben, die Menschen eine zukunftsfeste Perspektive am Standort geben.“
Hennigsdorfs Wirtschaftsförderin Ines Hübner zeigt sich beeindruckt: „Es ist sehr beeindruckend, was hier am Standort entsteht – Teile mit haargenauer Präzision für den Weltmarkt. FSM ist ein echter Hidden Champion mit einem hervorragenden Ruf rund um den Globus. Für uns ist es eine gute Nachricht, dass das Unternehmen bei der Langen Nacht der Wirtschaft im kommenden Jahr als Partner mit an Bord ist.“
Optimismus trotz Gegenwind
Bei aller Freude über die rasante Entwicklung bleiben die Sorgen des Wirtschaftsstandorts Deutschland nicht aus. Die Abwanderung großer Hersteller, hohe Energie- und Personalkosten sowie die galoppierende Bürokratie belasten das Geschäft, räumt Lars Reiche offen ein.
Dennoch überwiegt der Optimismus. Auf dem 13.000 Quadratmeter großen Areal ist noch Platz für eine Erweiterung. „Pläne haben wir, aber wir müssen erst schauen, wie sich die Märkte entwickeln. Ein Vorteil ist auf jeden Fall, dass wir auch in der zukunftsträchtigen E-Automobil-Branche mitmischen“, so Reiche. Mit Weitblick, technischem Know-how und einem starken Team blickt das Unternehmen nach vorn – ganz im Sinne des Firmenmottos: „Partnerschaft, die formt!“
Fotos: Alexander Dieck / Stadt Hennigsdorf





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